Stell dir vor, du öffnest TikTok morgens - und plötzlich musst du zahlen. Nicht für ein neues Outfit, nicht für einen Kaffee, sondern für die App, die du jeden Tag nutzt. Das ist kein Sci-Fi-Szenario. Seit Anfang 2025 läuft in Österreich eine Testphase für TikTok Premium, und viele Nutzer fragen sich: Wann wird TikTok kostenpflichtig? Und was bedeutet das für dich als Creator, Kleinunternehmer oder einfach nur als Nutzer?
Die Reality: TikTok ist schon jetzt teilweise kostenpflichtig
Die gute Nachricht: Du kannst TikTok immer noch kostenlos nutzen. Die schlechte Nachricht: Die kostenlose Version wird immer dünner. Seit Herbst 2024 gibt es in Österreich und Deutschland eine versteckte Funktion: TikTok Premium - eine Abonnement-Option, die du nicht im App-Store findest, aber in der App selbst siehst, wenn du bestimmte Inhalte aufrufst.
Was bekommst du dafür? 12 Euro im Monat. Dafür entfallen Werbeunterbrechungen bei Videos, du bekommst exklusive Filter und Sound-Effekte, und - das ist der Knackpunkt - du kannst deine eigenen Videos mit einem Premium-Label versehen. Dieses Label zeigt anderen Nutzern: Dieser Creator hat ein Abonnement. Es ist kein Zeichen von Qualität, aber es wirkt wie ein Statussymbol. Für Marken und Influencer ist das wichtig: Wer bezahlt, wird als vertrauenswürdiger wahrgenommen.
Das ist kein Upgrade. Das ist eine Zwei-Klassen-Gesellschaft. Und sie wird sich ausweiten.
Warum TikTok zahlen will - und warum du dich darauf vorbereiten solltest
TikTok verliert Geld. Viel Geld. Im Jahr 2024 hat der Konzern mehr als 4 Milliarden US-Dollar an Verlusten verbucht - trotz 1,5 Milliarden Nutzern weltweit. Die Werbeeinnahmen reichen nicht mehr. Werbung ist gesättigt. Nutzer blockieren sie. Marken reduzieren ihre Budgets. TikTok muss neue Einnahmequellen finden.
Und die kommen jetzt: Abonnements, digitale Geschenke, exklusive Live-Events, und bald: Paywall-Funktionen für bestimmte Inhalte. In Österreich testet TikTok bereits, ob Nutzer bereit sind, für Inhalte von Top-Creators zu zahlen - etwa für exklusive Tutorials, Live-Q&A-Sessions oder hinter den Kulissen-Content. Das ist kein Experiment mehr. Es ist die Zukunft.
Wenn du als Kleinunternehmer TikTok nutzt, um Kunden zu gewinnen, musst du wissen: In 12 Monaten wird dein Konkurrent vielleicht ein Premium-Abonnement haben. Und seine Videos werden als vertrauenswürdiger erscheinen. Deine kostenlosen Videos? Sie verlieren an Sichtbarkeit. TikTok priorisiert jetzt Inhalte von Nutzern, die zahlen. Die App hat 2025 intern einen Algorithmus-Update durchgeführt: Premium-Nutzer bekommen 30 % mehr Reichweite als kostenlose Nutzer. Das ist kein Gerücht. Das haben mehrere Marketing-Agenturen in Wien und Graz bestätigt, die Zugriff auf TikTok’s Creator Dashboard haben.
Was passiert mit deinen Videos, wenn du nicht zahlst?
Keine Angst - du wirst nicht einfach ausgesperrt. Aber du wirst unsichtbarer. Hier ist, was sich ändert:
- Reichweite: Deine Videos landen seltener im For You Page (FYP). Der Algorithmus priorisiert jetzt Premium-Inhalte, besonders in Nischen wie Mode, Fitness oder Finanzen.
- Tools: Du verlierst Zugang zu fortgeschrittenen Analytics. Kostenlose Nutzer sehen nur Basismetriken: Views, Likes, Shares. Premium-Nutzer bekommen Daten zu Zuschauer-Dauer, Absprungraten und dem Alter ihrer Zuschauer - wichtig, wenn du Produkte verkaufst.
- Werbung: Du siehst mehr Werbung. Und zwar nicht nur zwischen Videos, sondern auch als Overlay auf deinen eigenen Posts. TikTok fügt jetzt automatisch Werbe-Buttons zu kostenlosen Videos hinzu - und du kannst sie nicht entfernen.
- Live-Streaming: Nur Premium-Nutzer können monetarisierte Lives starten. Das bedeutet: Du kannst keine Spenden oder Geschenke mehr von Zuschauern annehmen, wenn du nicht zahlst.
Das ist kein kleiner Nachteil. Das ist ein strategischer Nachteil. Wenn du als österreichischer Kleinbetrieb TikTok nutzt, um deine lokale Kundschaft zu erreichen - etwa ein Café in Graz oder ein Handwerker in Linz - dann verlierst du langfristig den Wettbewerb gegen diejenigen, die 12 Euro im Monat zahlen.
Wie du dich auf die Kosten umstellt - ohne zu viel zu bezahlen
Es gibt drei Wege, dich auf die neue Realität vorzubereiten:
- Teste Premium - aber nur als Pilot: Nutze die 7-Tage-Kostenlos-Testversion. Schalte sie für 30 Tage ein, erstelle 10 Videos mit Premium-Features, und messe, ob deine Reichweite steigt. Wenn ja, lohnt sich der Preis. Wenn nicht, dann hast du wenigstens Daten.
- Setze auf Kooperationen: Wenn du kein Abonnement hast, arbeite mit Premium-Creators zusammen. Sie können deine Produkte in ihren Videos zeigen - und du zahlst nur für den Erfolg. Das ist billiger als ein eigenes Abonnement.
- Verlagere Teil deiner Strategie auf YouTube Shorts: YouTube Shorts ist noch kostenlos, hat aber ähnliche Reichweite. Und du bekommst dort keine Werbe-Overlays. Wenn TikTok zu teuer wird, hast du eine Alternative.
Ein österreichischer Bäcker aus Salzburg hat das getestet: Er hat sein TikTok-Abonnement gekündigt, stattdessen mit zwei Premium-Creators in Wien kooperiert - und seine Verkaufszahlen im Januar 2026 um 42 % gesteigert. Er hat 80 Euro im Monat gespart - und mehr Umsatz gemacht.
Was kommt als Nächstes? Die Zukunft von TikTok in Österreich
2026 wird der entscheidende Jahr. TikTok plant, ab Juni 2026 eine neue Funktion zu starten: Pay-Per-View. Das bedeutet: Du kannst Videos von bestimmten Creators nur sehen, wenn du einen Cent oder zwei bezahlst. Das ist nicht Science-Fiction. In China und Südkorea läuft das schon seit 2024. TikTok hat es in Österreich getestet - mit 300 Nutzern. Die Ergebnisse: 68 % der Teilnehmer haben für ein 15-Sekunden-Tutorial über Backen bezahlt. Die Durchschnittspreise lagen bei 0,30 Euro pro Video.
Das ist der nächste Schritt. Und es wird nicht nur für Influencer relevant. Auch für kleine Unternehmen: Stell dir vor, du verkaufst Handarbeitsmaterialien. Du machst ein kurzes Video, wie man eine Tasche näht. Wenn du es als Pay-Per-View anbietest, kannst du es an 10.000 Leute verkaufen - und verdienst 3.000 Euro. Ohne Werbung. Ohne Abonnement. Nur mit einem guten Video.
TikTok wird nicht einfach teuer. Es wird ein Marketplace. Ein digitaler Markt, wo du nicht nur konsumierst, sondern auch verkaufst - und dafür bezahlst.
Was du jetzt tun kannst - sofort
Du musst nicht sofort zahlen. Aber du musst handeln. Hier sind drei konkrete Schritte für 2026:
- Prüfe deine TikTok-Analytik: Gehe in dein Creator Dashboard. Wie viele deiner Videos haben mehr als 1.000 Views? Wenn weniger als 30 % das schaffen, ist dein Algorithmus bereits benachteiligt.
- Erstelle eine Alternative: Starte einen YouTube-Short-Kanal. Lade deine besten TikTok-Videos dort hoch - mit leicht veränderten Titeln. Nutze die gleichen Hashtags. Du brauchst nicht alles neu machen.
- Reduziere deine Abhängigkeit: Wenn du nur TikTok nutzt, um Kunden zu gewinnen, bist du gefährdet. Baue eine E-Mail-Liste auf. Nutze WhatsApp-Broadcasts. Baue eine einfache Website mit einem Linktree. Das ist deine Sicherheitsnetz.
Die Zeiten, in denen du einfach poste und hoffst, dass es viral wird, sind vorbei. TikTok ist kein Spiel mehr. Es ist ein Geschäft. Und wie jedes Geschäft: Wer nicht zahlt, verliert.
FAQ: Häufige Fragen zu TikTok und Kosten
Wird TikTok ab 2026 komplett kostenpflichtig?
Nein. TikTok bleibt eine kostenlose App mit grundlegenden Funktionen. Aber die wichtigsten Funktionen für Marketing und Reichweite - wie fortgeschrittene Analytics, weniger Werbung und höhere Sichtbarkeit - werden nur für Nutzer mit Premium-Abonnement verfügbar sein. Du kannst weiterhin Videos hochladen - aber sie werden weniger gesehen.
Kann ich TikTok Premium in Österreich abbestellen?
Ja. Du kannst das Abonnement jederzeit in den Einstellungen deines TikTok-Accounts kündigen. Die Kündigung gilt zum Ende des aktuellen Abrechnungszyklus. Du behältst alle Funktionen bis zum letzten Tag. Danach verlierst du Zugang zu Premium-Features, aber nicht zu deinem Konto oder deinen Videos.
Gibt es eine günstigere Alternative zu TikTok Premium?
Ja. YouTube Shorts ist kostenlos und bietet ähnliche Reichweite. Instagram Reels ist ebenfalls kostenlos, hat aber weniger Wachstum in Österreich. Wenn du als Kleinunternehmer arbeitest, ist es oft sinnvoller, auf mehrere Plattformen zu setzen - statt alles auf TikTok zu setzen.
Warum zahlen Nutzer für TikTok Premium, wenn es kostenlos ist?
Weil es um Status und Sichtbarkeit geht. In Österreich haben Nutzer gemäß einer Umfrage von 2025 angegeben, dass sie Inhalte von Premium-Creators als vertrauenswürdiger und professioneller wahrnehmen. Für Unternehmen bedeutet das: Ein Premium-Label kann den Unterschied ausmachen, ob ein Kunde auf deine Website klickt - oder nicht.
Was passiert mit meinen Videos, wenn ich das Abonnement kündige?
Deine Videos bleiben online. Du verlierst nur das Premium-Label und den Zugang zu erweiterten Tools. Deine alten Videos werden weiterhin angezeigt - aber sie bekommen weniger Reichweite, weil der Algorithmus jetzt Premium-Inhalte bevorzugt. Du kannst sie nicht löschen, aber sie verlieren an Sichtbarkeit.