Im Jahr 2026 nutzen mehr als 3,2 Millionen Menschen in Österreich TikTok regelmäßig - das sind fast 36 % der gesamten Bevölkerung. Das ist mehr als Facebook oder Instagram in diesem Land. Die App ist nicht mehr nur für Jugendliche, sondern hat sich zu einer der wichtigsten Plattformen für Werbung, Marken und lokale Unternehmen entwickelt. Doch wer nutzt TikTok wirklich in Österreich? Und warum sollte ein Unternehmen das jetzt nicht ignorieren?
Wer nutzt TikTok in Österreich?
Die größte Gruppe sind Menschen zwischen 16 und 24 Jahren. Hier liegt die Nutzerquote bei über 85 %. Aber das ist nur die Spitze des Eisbergs. Seit 2023 wächst die Zahl der Nutzer über 35 deutlich. Mittlerweile nutzen fast 28 % der 25- bis 34-Jährigen TikTok mindestens einmal pro Woche. Und selbst unter den 35- bis 44-Jährigen ist jeder fünfte aktiv - das sind über 400.000 Menschen allein in dieser Altersgruppe.
Die Nutzung ist nicht mehr nur privat. Viele Österreicher:innen nutzen TikTok, um sich über lokale Dienstleister zu informieren. Ein Bäcker in Graz sucht nach neuen Kunden? Er postet ein Video, wie sein Brot gebacken wird - und bekommt binnen einer Woche 12.000 Views. Ein Friseur in Linz zeigt seinen Schnittstil - und bekommt 30 neue Buchungen pro Monat. TikTok ist kein reiner Unterhaltungskanal mehr. Es ist ein direkter Verkaufsweg.
Wie oft nutzen Österreicher:innen TikTok?
Die durchschnittliche Nutzer:in verbringt täglich 52 Minuten auf TikTok. Das ist mehr als auf YouTube, Instagram oder Twitter. Besonders stark ist die Nutzung am Abend: zwischen 18 Uhr und 22 Uhr werden 63 % aller Videos angesehen. An Wochenenden steigt die Zeit pro Nutzer um 30 % - viele schauen sich TikTok an, während sie auf dem Sofa sitzen, in der Küche kochen oder im Zug fahren.
Die meisten Nutzer:innen folgen 15 bis 30 Accounts. Das sind meist lokale Influencer, kleine Unternehmen oder Leute, die ähnliche Interessen haben. Es geht nicht um große Stars. Es geht um Authentizität. Ein Video von einer Bäuerin aus dem Mühlviertel, die erklärt, wie sie ihre Milch verarbeitet, hat oft mehr Reichweite als ein Werbespot von einem internationalen Konzern.
Welche Inhalte funktionieren in Österreich?
Was in den USA oder Deutschland funktioniert, funktioniert hier nicht immer. Österreicher:innen schätzen klare, ehrliche und humorvolle Inhalte. Sie reagieren auf lokale Referenzen: „Das kennt doch jeder aus Wien!“, „So machen wir das in Salzburg!“, „Endlich mal jemand, der versteht, wie man einen Kaiserschmarrn macht.“
Die erfolgreichsten Formate sind:
- „Before & After“-Videos: Ein alter Laden wird renoviert, ein Haar wird geschnitten, ein Garten wird umgebaut.
- Lokale Tipps: „Die besten Kaffeehäuser in Graz, die du noch nicht kennst“ oder „Wo man in Innsbruck echten Tiroler Speck bekommt“.
- Behind-the-Scenes: Wie funktioniert eine Bäckerei am Morgen? Wie wird ein Schuh in einer österreichischen Manufaktur genäht?
- Humorvolle Alltagssituationen: „Wenn du in der Stadt wohnst und dein Nachbar hat 12 Hunde“ oder „Wie man mit 70 Jahren TikTok versteht“.
Marken, die versuchen, US-amerikanische Trends zu kopieren - wie komplexe Choreografien oder übertriebene Trends - scheitern oft. Österreicher:innen erkennen schnell, wenn etwas nicht echt ist.
Wie viel Geld geben Unternehmen in Österreich für TikTok aus?
Im Jahr 2025 haben österreichische Unternehmen insgesamt 87 Millionen Euro für TikTok-Werbung ausgegeben. Das ist ein Anstieg von 142 % gegenüber 2023. Die meisten Budgets kommen aus den Bereichen Einzelhandel, Tourismus, Lebensmittel und Finanzdienstleistungen.
Ein typisches Werbebudget für ein lokales Unternehmen liegt zwischen 500 und 3.000 Euro pro Monat. Große Marken wie Red Bull, Spar oder Raiffeisen geben mehr als 100.000 Euro pro Kampagne aus. Die meisten Kampagnen laufen nur 2-4 Wochen. Sie sind kurz, präzise und zielen auf eine klare Aktion ab: einen Shopbesuch, eine Buchung oder einen Newsletter-Anmelden.
Die Kosten pro Tausend Impressionen (CPM) liegen in Österreich bei durchschnittlich 12 Euro - deutlich niedriger als in Deutschland oder der Schweiz. Das macht TikTok für kleine Unternehmen besonders attraktiv.
Welche Regionen in Österreich nutzen TikTok am meisten?
Wien ist mit über 1,1 Millionen Nutzer:innen die Nummer eins. Dicht gefolgt von Oberösterreich (510.000) und der Steiermark (420.000). In Vorarlberg und Kärnten ist die Nutzerdichte pro Kopf am höchsten - hier nutzen mehr als 40 % der Bevölkerung die App regelmäßig.
Die ländlichen Regionen wachsen schneller als die Städte. In der Oststeiermark oder im Mostviertel haben viele kleine Betriebe entdeckt, dass TikTok ihre Kunden direkt erreicht - ohne teure Werbung in Zeitungen oder Radio. Ein Bauernhof in der Südoststeiermark hat mit einem Video über seine Honigproduktion 800 neue Bestellungen in zwei Wochen erhalten. Kein Werbeagentur, kein Facebook-Ads-Team - nur ein Handy und ein echtes Produkt.
Was bedeutet das für Unternehmen?
TikTok ist kein Trend. Es ist eine neue Art, mit Menschen zu sprechen. Wer hier nicht präsent ist, verliert Kontakt zu einer großen, aktiven und kaufkräftigen Gruppe. Es geht nicht darum, perfekte Videos zu machen. Es geht darum, authentisch zu sein.
Ein kleiner Laden in Linz braucht nicht millionenschwere Produktionen. Er braucht:
- Ein Handy mit guter Kamera
- Einen Mitarbeiter, der sich traut, vor die Kamera zu treten
- Eine klare Botschaft: Was bietest du an? Warum sollte jemand dich unterstützen?
Die meisten erfolgreichen TikTok-Kampagnen in Österreich starten mit einem einfachen Video - und wachsen durch echte Interaktion. Antworten auf Kommentare, Rückmeldungen, Nachahmung durch andere Nutzer:innen. Das ist der Algorithmus. Nicht Werbebudgets, sondern Beziehung.
Wie startest du mit TikTok in Österreich?
Wenn du ein Unternehmen bist und noch nie TikTok genutzt hast, fang so an:
- Erstelle ein Profil mit deinem echten Namen oder deinem Geschäftsnamen - nicht mit einem generischen „@shop123“.
- Veröffentliche drei Videos innerhalb von sieben Tagen. Keine Werbung. Nur echte Einblicke: Wie sieht dein Tag aus? Was machst du anders als andere?
- Antworte auf jeden Kommentar - auch auf die dummen oder sarkastischen.
- Verwende lokale Hashtags wie #wienleben, #salzburgtipps, #steiermarkshop.
- Beobachte, welche Videos funktionieren. Kopiere nicht - lerne.
Es dauert oft drei bis sechs Wochen, bis erste Ergebnisse sichtbar werden. Aber wenn du einmal die erste tausend Views erreichst, öffnet sich eine Tür, die du nicht mehr schließen kannst.
Was kommt als Nächstes?
Im Jahr 2026 wird TikTok in Österreich noch stärker mit E-Commerce verknüpft. Die App testet jetzt direkte Kaufmöglichkeiten innerhalb von Videos - ohne Umweg über eine Webseite. Bald kannst du ein Produkt sehen, auf „Kaufen“ klicken und es sofort bestellen. Das ist schon in Deutschland und den Niederlanden Realität. Österreich folgt.
Unternehmen, die jetzt beginnen, haben einen klaren Vorteil. Sie lernen, wie man mit dieser Generation spricht. Sie bauen Vertrauen auf. Sie werden nicht nur gesehen - sie werden gemocht. Und das ist der wichtigste Faktor für langfristigen Erfolg.