Wenn du als Marke mit Influencern zusammenarbeitest, stößt du schnell auf eine Frage: Wer genau verhandelt, koordiniert und betreut diese Personen? Die Antwort ist nicht so einfach, wie es scheint. Viele sagen einfach Influencer Manager, aber das ist nur eine der vielen Bezeichnungen. In Österreich und im deutschsprachigen Raum gibt es mehrere Begriffe, die je nach Aufgabenbereich, Unternehmensgröße und Branche verwendet werden. Und es macht einen Unterschied, welchen Titel du verwendest - besonders, wenn du mit Agenturen oder Influencern selbst verhandelst.
Was macht ein Influencer Manager wirklich?
Ein Influencer Manager ist nicht einfach jemand, der Nachrichten schreibt. Er oder sie übernimmt die komplette Betreuung von Influencern - von der ersten Kontaktaufnahme bis zur Abrechnung. Das bedeutet: Verträge aushandeln, Inhalte abstimmen, Termine koordinieren, KPIs messen und manchmal sogar Krisen managen. Ein guter Manager kennt die Persönlichkeit des Influencers, versteht seine Zielgruppe und weiß, wie er den Markenwert maximiert, ohne den authentischen Ton zu verlieren.
In Österreich arbeiten viele Manager in kleinen Teams oder als Einzelunternehmer. Große Agenturen haben oft ganze Abteilungen dafür. Aber die Grundfunktion bleibt die gleiche: Sie sind die Brücke zwischen Marke und Creator.
Die gängigsten Bezeichnungen in Österreich
In der Praxis hört man verschiedene Begriffe. Keiner davon ist falsch - aber jeder hat eine andere Nuance.
- Influencer Manager: Der am häufigsten verwendete Begriff. Er klingt professionell und wird von Agenturen und Marken bevorzugt. In Deutschland und Österreich ist er mittlerweile der Standard.
- Influencerbetreuer: Ein Begriff, der oft in kleineren Unternehmen oder von Influencern selbst verwendet wird. Er betont den persönlichen Kontakt. Wer sagt, er sei ein „Betreuer“, will damit sagen: Ich kümmere mich um dich, nicht nur um den Vertrag.
- Talentagent oder Talentagentur: Dieser Begriff stammt aus der Unterhaltungsbranche. Er wird vor allem bei Influencern mit großem Publikum oder TV-Auftritten verwendet - etwa bei YouTube-Stars, die auch Werbespots drehen. In Österreich ist diese Bezeichnung besonders bei etablierten Influencern beliebt, die sich wie „Talente“ positionieren.
- Influencerkoordinator: Oft in großen Unternehmen zu finden, wo Prozesse streng strukturiert sind. Der Koordinator sorgt dafür, dass alle Termine, Lieferungen und Genehmigungen pünktlich laufen - weniger strategisch, mehr operativ.
- Creator-Manager: Ein neuerer Begriff, der sich vom Begriff „Influencer“ abheben will. Er betont, dass es nicht nur um Reichweite geht, sondern um kreative Leistung. Viele Agenturen in Wien und Salzburg nutzen diesen Begriff, um sich von „Billig-Influencer-Scouts“ abzugrenzen.
Wichtig: In der Branche wird oft nicht zwischen diesen Begriffen unterschieden - aber wer sich auskennt, weiß, dass ein „Talentagent“ andere Aufgaben hat als ein „Koordinator“.
Warum gibt es so viele Bezeichnungen?
Der Grund liegt in der Entwicklung des Marktes. Früher nannte man das alles „Social Media Management“. Doch mit der Professionalisierung des Influencer-Markets entstand eine neue Rolle: jemand, der nicht nur Posts plant, sondern ganze Karrieren aufbaut.
In Österreich hat sich das besonders schnell entwickelt. Viele Influencer, die vor zehn Jahren noch nebenbei gearbeitet haben, haben heute festes Team, Rechtsanwälte und eigene Buchhalter. Dafür braucht es mehr als einen Social-Media-Manager - es braucht jemanden, der strategisch denkt, Verträge versteht und Verhandlungen führt.
Ein Beispiel: Ein Influencer in Graz hat 120.000 Follower, verdient 3.000 Euro pro Post und arbeitet mit fünf Marken gleichzeitig. Wer koordiniert das? Ein Influencer Manager. Wer schreibt die E-Mails? Ein Koordinator. Wer verhandelt den Exklusivvertrag mit der Kosmetikmarke? Ein Talentagent.
Wie du den richtigen Partner findest
Wenn du als Marke einen Manager suchst, achte nicht nur auf den Titel - sondern auf die Aufgabenliste.
Stelle dir diese Fragen:
- Wie viele Influencer betreut er oder sie aktuell?
- Hat er/sie schon Verträge mit österreichischen Marken abgeschlossen?
- Kann er/sie Referenzen nennen - nicht nur Links, sondern echte Kontaktadressen?
- Arbeitet er/sie mit einer festen Prozessstruktur (z. B. Content-Briefing, Rechtsschau, Zahlungsabwicklung)?
- Versteht er/sie die österreichische Werbe- und Datenschutzgesetzgebung (z. B. KWG, DSGVO)?
Ein guter Manager in Österreich kennt die lokalen Regeln. Er weiß, dass eine Werbeaussage wie „klinisch getestet“ in Österreich strenger geprüft wird als in Deutschland. Er weiß, dass TikTok-Ads in Österreich oft eine andere Zielgruppe ansprechen als in der Schweiz. Und er weiß, dass viele Influencer hier lieber auf Honorarbasis arbeiten als auf Pauschale.
Was du vermeiden solltest
Einige Agenturen bieten „Influencer-Management“ an, aber sie haben keine echten Manager. Sie vermitteln nur - und lassen dich selbst mit dem Influencer kommunizieren. Das ist kein Management. Das ist Vermittlung.
Vermeide Anbieter, die:
- Nur auf Instagram-Statistiken setzen, ohne echte Engagement-Daten zu analysieren
- Keine Vertragsvorlagen haben
- Nicht über die österreichische Werberechtssprechweise Bescheid wissen
- Dir nur „geprüfte Influencer“ verkaufen, ohne zu erklären, wie sie geprüft wurden
Ein echter Influencer Manager in Österreich führt mindestens ein persönliches Gespräch mit jedem Influencer, bevor er ihn empfiehlt. Er prüft die Content-Qualität, die Interaktionsrate und die Authentizität - nicht nur die Follower-Zahl.
Die Zukunft: Wer wird der neue Influencer-Manager?
Die Branche wird sich weiter professionalisieren. In fünf Jahren wird es keine „Influencer Manager“ mehr geben - sondern Creator-Strategen. Sie kombinieren Marketing, Recht, Psychologie und Datenanalyse. Sie arbeiten mit KI-Tools, um den richtigen Influencer für jede Kampagne zu finden - aber sie entscheiden immer noch menschlich.
Einige Agenturen in Wien und Linz haben bereits damit begonnen, eigene Ausbildungsprogramme für Creator-Strategen aufzubauen. In diesen Programmen lernen die Teilnehmer nicht nur, wie man einen Post plant - sondern wie man eine Marke mit einem Influencer langfristig aufbaut.
Was du jetzt tun kannst
Wenn du als Unternehmen mit Influencern arbeitest: Frag nicht „Habt ihr Manager?“, sondern: „Wie sieht euer Betreuungsprozess aus? Wer führt die Gespräche? Wer prüft die Rechtssicherheit? Und wer hält die Qualität im Auge?“
Wenn du Influencer bist: Such dir jemanden, der dich als Person kennt - nicht nur als Statistik. Ein guter Manager hilft dir, deine Marke zu bauen, nicht nur deine Posts zu verkaufen.
Der Begriff „Influencer Manager“ ist nur ein Label. Was zählt, ist, was dahintersteht: Vertrauen, Erfahrung und echte Expertise - und die gibt es nur, wenn jemand wirklich in der Branche arbeitet - nicht nur daneben.
Ist ein Influencer Manager dasselbe wie ein Social Media Manager?
Nein. Ein Social Media Manager kümmert sich um die eigenen Kanäle einer Marke - also um Posts, Stories und Kommentare auf den Plattformen der Firma. Ein Influencer Manager arbeitet mit externen Personen, also Influencern, die nicht zur Marke gehören. Er verhandelt Kooperationen, koordiniert Inhalte und sorgt dafür, dass die Zusammenarbeit reibungslos läuft. Es geht um externe Partner, nicht um interne Kommunikation.
Kann man als Influencer auch selbst Manager sein?
Ja, viele Influencer in Österreich führen ihre eigenen Geschäfte - besonders Anfänger oder solche mit kleinerem Publikum. Aber ab einer gewissen Größe (z. B. mehr als 10 Kooperationen pro Monat) wird es zu viel. Dann braucht man jemanden, der sich um Verträge, Zahlungen, Termine und Rechtsfragen kümmert. Wer das selbst macht, verliert Zeit, die er besser in Content investieren sollte.
Wie viel verdient ein Influencer Manager in Österreich?
Die Einkünfte variieren stark. Ein Freelancer verdient zwischen 2.500 und 5.000 Euro pro Monat, je nach Anzahl der betreuten Influencer und der Art der Kooperationen. In großen Agenturen mit festem Team liegt das Gehalt bei 4.000 bis 7.000 Euro brutto monatlich. Manche verdienen auch Provision: 10-20 % der Kampagnenbudgets. Aber die meisten arbeiten mit Festgehalt und Bonus.
Was ist der Unterschied zwischen einem Influencer Manager und einem Talentagentur?
Eine Talentagentur arbeitet oft mit Personen aus Unterhaltung, Sport oder Medien - also auch mit TV-Stars, Moderatoren oder Sprechern. Sie vertritt ihre Klienten in allen Medien. Ein Influencer Manager konzentriert sich ausschließlich auf Social-Media-Creator. Die Agenturen überschneiden sich manchmal - besonders wenn ein Influencer auch TV-Werbespots dreht. Aber der Fokus ist unterschiedlich: Talentagenturen bauen Karrieren, Influencer-Manager bauen Kampagnen.
Gibt es in Österreich Ausbildungen für Influencer Manager?
Es gibt keine offizielle staatliche Ausbildung, aber einige private Anbieter bieten Zertifikatskurse an. Die Hochschule für Medien und Kommunikation in Wien hat seit 2023 einen Kurs namens „Creator Management“ eingeführt. Auch die Wirtschaftskammer Österreich bietet Weiterbildungen im Bereich Influencer Marketing an. Die besten Programme kombinieren Recht, Marketing, Kommunikation und Praxisprojekte mit echten Influencern.