Ad Fraud und Adblocker – Online-Werbebetrug als zunehmendes Problem für Marketingagenturen und Werbeplattformen?

Wer in der Branche hat noch nicht von Methbot gehört? Eine Software, die in den USA 9 Millionen täglich durch Werbebetrug generiert. Spätestens seitdem ist allen klar, dass Werbebetrug im Online-Marketing zum wichtigen Thema werden muss.

 

Viele Unternehmen bezahlen oft Unsummen für Onlineanzeigen ohne direkt messbare Ergebnisse. Wer kann denn beweisen, dass dieser oder jener Klick von einem Menschen kam? Bots und ganze Bot-Netzwerke arbeiten mittlerweile sehr geschickt und imitieren menschliches Verhalten, um den Algorithmen zur Ermittlung verdächtigen Traffics zu entgehen. Onlinebetrug ist ein lukratives Geschäft: Studien setzen den Schaden, welcher jährlich durch Online-Werbebetrug entsteht, auf zwischen sechs und neun Milliarden US Dollar an.

Hier finden sich sämtliche Rubriken – von Anzeigenbetrug über Suchmaschinen mit gefakten Websites, Domain Spoofing (Vortäuschen bekannter Websiten), zu Adstacking (übereinander gestapelte Werbeanzeigen) und Pixel Stuffing (der Einbau einer Werbeanzeige lediglich 1×1 Pixel groß). Speziell auf Werbebetrug ausgerichtete Serverfarmen generieren Traffic und speisen riesige Bot-Netzwerke. Andere Bots wiederum installieren sich als Schadsoftware auf privaten Rechnern und laufen vollautomatisch im Hintergrund, für den Otto-Normalverbraucher nicht immer sofort ersichtlich. Von Werbebetrug besonders betroffen sind automatisierte Online-Werbeplattformen, auf welchen dynamisch und vollautomatisch Werbeanzeigen und gehandelt werden. Auch wenn es vielen nicht bewusst ist, Betrug im Onlinebereich ist Alltag und genauso alt wie das Internet selbst. Im Zeitalter von Bots übernehmen kleine Programme diesen Job – bei einem geschätzten Botnet Traffic zwischen fünf und zehn Prozent vom gesamten Internettraffic (Deutschland, Schätzung von Integral Ad Science) wird einem erst bewusst, wie viel Traffic nicht von Menschen gemacht ist.

Was können nun Online-Marketer und Werbetreibende tun, um Ad Fraud zu unterbinden? Es gibt keine hundertprozentige Sicherheit oder die perfekte Lösung gegen Online-Werbebetrug. Zwar entwickelt sich ebenfalls „Ad Fraud Protection“ zunehmend zu einem eigenen Business, jedoch ist Risikoreduzierung bisher meist die beste und effizienteste Variante. Das Vermeiden von intransparentem Advertising und Targeting Produkten und Transparenz über die Supply Chain sollten hierbei an erster Stelle stehen. Die Umsetzung dementsprechender Maßnahmen, wie die Umstrukturierung und das Monitoring der verwendeten Werbekanäle, sind wichtige erste Ansatzpunkte.

Ansonsten bleibt dem End-Konsumenten keine Wahl – zu viele unpassende Werbeanzeigen und Pop-Ups führen lediglich zu mehr Adblocker-Downloads. Insgesamt blocken mittlerweile 615 Millionen Geräte Ads – gerade am Smartphone werden Adblocker immer beliebter. Bei einem globalen Anteil von ca. 20 – 22% blockiert jeder fünfte Online-Werbemittel, die Verteilung variiert allerdings stark von Kontinent zu Kontinent. Es ist festzuhalten, dass bisher zwar keine Lösung für das Problem Online-Werbebetrug vorhanden ist – Innovationen gibt es allerdings genug. Junge Startups möchten neue Technologien wie die Blockchain nutzen, um Online-Werbekanäle sicherer zu gestalten – ob und wie diese adaptiert und umgesetzt werden, bleibt abzuwarten.

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