Social Media Detox – ein Selbstversuch

Du denkst in Fotos, Hashtags und Emojis? Dann hat er dich womöglich schon erwischt, der – nennen wir es – „Social Media Virus“. Für uns ist das beruflicher Alltag und daher nicht ungewöhnlich. Spätestens aber, wenn man auch privat nicht mehr von Facebook, Instagram, Snapchat & Co loskommt, empfiehlt es sich zu reflektieren und sich einen kleinen Detox zu gönnen. Gesagt, getan!

Auch Promis machen es uns vor: Immer mehr nehmen sich eine Auszeit vom Social Media-Wirbel, deaktivieren ihre Accounts und melden sich erst nach mehrwöchiger Abstinenz zurück. Entgiftet? Man weiß es nicht. Wir können uns aber vorstellen, dass es einiges an Überwindung und Willensstärke kostet, seine Gewohnheiten von einem Tag auf den anderen über Bord zu werfen. Wie schwierig wäre es für dich, von jetzt auf gleich für mehrere Wochen den Online-Entzug einzuläuten?

Ein Monat ohne Instagram

Um herauszufinden, wie sich der Instagram Detox und damit die Abstinenz von Food-, Beauty-, und Travel-Pics anfühlt, hat eine Kollegin den Selbstversuch gewagt. Sie verzichtete den ganzen Juli lang (aus freien Stücken heraus!) auf Instagram. Heute, wenige Tage wieder back to business, lässt sie uns an dieser Erfahrung teilhaben.

TAG 0:

Täglich das gleiche Spiel: Früh morgens geht es los – oft ganz unbewusst. Am Weg zur Arbeit, beim Frühstück, in jeder erdenklichen Pause dient Instagram bei mir mittlerweile als Lückenbüßer. Ich erwische mich dabei, wie ich die App ganz automatisch öffne und durch den Feed scrolle. Die Bilder ziehen mich in ihren Bann, die Stories finde ich spannender als die News im Radio und doch lasse ich mich zu einem kurzen Blick auf die Uhr hinreißen. Zehn Minuten sind bereits vergangen, ohne irgendein Zeitgefühl oder einen gewissen Zeitdruck verspürt zu haben. Meine private Instagram-Nutzung, die eigentlich nur als Zeitvertreib angedacht ist, entpuppt sich ganz schnell als Zeitfresser.

Schnell fasse ich den Entschluss: So kann es nicht weitergehen. Ich möchte schleunigst dem alltäglichen Sog des Social Media entrinnen und meine Zeit für mich und meine Lieben nutzen. Jetzt oder nie, am besten starte ich noch heute damit. Die Frage um welche Uhrzeit ich die App löschen werde (Ja, entweder ganz löschen oder gar nicht!) ist ganz klar für mich.

Da mein Freund an diesem Tag Geburtstag hat und wir zu diesem Anlass fancy (instaworthy) essen gehen, halten wir dies natürlich noch per Story auf Instagram fest. Boomerang, Video und Fotos sind selbstverständlich ein Programmpunkt und teilen sich gemeinsam mit dem Prosecco-Frühstück unsere gemeinsame Zeit. Am Ende des Tages, zurück in der nicht ganz so fancy Wohnung, ist nun der “richtige” Zeitpunkt gekommen und ich lösche die App mit einem Klick, lege mein Handy zur Seite und begebe mich ins Land der Träume.

Frühstück im Guesthouse Vienna auf Instagram

TAG 1:

Sonntag 10:00 Uhr – der Wecker läutet. Mein erster Griff erfolgt zum Handy – Routine. Danach die ernüchternde Wahrheit: Eine WhatsApp Nachricht und eine Push Mitteilung, wie denn das Wetter heute werden wird. Nachdem ich auf Facebook die letzten (gesponserten) Beiträge durchscrolle, wird mir schnell langweilig. Ob die Freunde und Kollegen gestern Abend noch feiern oder brunchen waren? Tja, das werde ich nicht herausfinden. Im Laufe des Tages teilt dann auch noch zum ersten Mal in meiner Instagram-Karriere mein Lieblingsrestaurant eines meiner Fotos. (Mein Freund informiert mich netterweise darüber.) Meine ersten Fragen lauten: Wie viele Likes? Wer hat kommentiert? Lächelnd verrät er es mir. Ob es mich zufriedenstellt? NEIN. Ich möchte es sehen und zwar JETZT. Anscheinend habe ich die erste Stufe des Entzugs erreicht. Gut – ablenken ist angesagt. Auf fancy Frühstück habe ich jedenfalls keine Lust – bekommt ja niemand mit. 🙂

TAG 2:

Es ist der erste Tag in der Arbeit während meines Digital Detox. Am Mittagstisch höre ich dann aus allen Ecken: Hast du das auf Instagram gesehen? Wie war das Restaurant? Hat das Essen geschmeckt? Ich habe von alldem natürlich keine Ahnung und fühle mich doch leicht ausgeschlossen. Außerdem möchte ich wissen WELCHES Restaurant denn gemeint ist und was meine Kollegen am Wochenende so getrieben haben. Hast du es nicht auf Instagram gesehen? War die Reaktion. NEIN – habe ich nicht. Nachdem ich daraufhin in völlig überraschte Gesichter blicke, beichte ich meinen Entzug.

Social Media Detox der Selbstversuch

TAG 3:

Immer stärker macht sich das Gefühl in mir breit etwas zu verpassen. Erlebnisse, News und Alltagsgeschichten von Freunden, Freunden von Freunden, Stars und Bloggern. Auch meine Kollegen fragen mich nun öfter neckisch: Na, wie ist es so ohne Instagram? Bist du schon rückfällig geworden? NEIN bis jetzt habe ich durchgehalten.

TAG 4:

Fancy Picknick im Park, na toll. Alle posten ihre Bilder auf Instagram und ich? Ich trinke meine Bowle und genieße die herrliche Aussicht auf den Stadtpark-Teich.

TAG 10:

Instagram sendet mir eine Mail, was ich denn während meiner Abwesenheit alles verpasse.
Oh Mann, wieso tut man mir das an? Lasst mich doch damit in Ruhe.

TAG 15:

Mhoch3-Teamstag auf Instagram mit – oh, welch Überraschung – ausgerechnet mir. Mein Foto sehe ich nur, als ich eine Kollegin darum bitte, es mir zu zeigen. Nein, in meinen Augen ist das kein cheaten – seid gnädig!

TAG 18:

Meine Cousine ist nun seit vier Tagen in Den Haag. Ob ich weiß wie es ihr geht? Nein. Ob ich weiß was sie dort macht? Nein. Ich schreibe ihr via WhatsApp und frage, ob alles in Ordnung ist und ob sie eine schöne Zeit hat, denn schön langsam mache ich mir Sorgen. Hätte ich ihr geschrieben, wenn ich ihren Insta-Urlaub vorab gesehen hätte? Wohl eher nicht. Schöne Reisefotos bedeuten ja auch, dass es demjenigen gut geht. Oder doch nicht?

Social Media Detox der Selbstversuch

TAG 20:

Eine Freundin lädt mich via Facebook ein, mir die Instagram-App herunterzuladen. Wie aufmerksam!? (Ach lasst mich doch einfach in Ruhe!) Wieso wird einem das Leben als “Aussteiger” so schwer gemacht?

TAG 22:

Ich genieße mein “anonymes” Essen im angesagten Café im Boho-Viertel und überlasse meinem
Freund das Posten. Ob es mich nervt? Ein wenig. 😉

TAG 27:

Das Thema Social Media Detox beginnt mich immer mehr zu interessieren. Soll ich es auf
Facebook ausweiten? Aber da wären doch all die lebensrettenden Geburtstagserinnerungen… die ich mir doch eigentlich (ganz altmodisch) in ein Notizbuch eintragen könnte? Wieso ist es uns so wichtig geworden zu wissen was Blogger XY an diesem bestimmten Tag gemacht hat? Wo war sie/er einkaufen? Woher ist dieses neue Kleid? Ist sie/er etwa noch mit ihrem/seinem Partner zusammen? Wieso sind wir an einem uns nicht bekannten Leben eines Menschen so interessiert, dass wir unsere Zeit damit verschwenden? Was tun wir, wenn wir all die Informationen gesammelt haben? Macht es uns glücklicher? schlauer? erfahrener?

Social Media Detox der Selbstversuch

TAG 29:

Was ist Instagram und wieso hat es mir so viel Zeit als auch Akku gefressen?

TAG 31:

ENDE GELÄNDE. Und nun? Da ich erst ab dem vierten August im wohlverdienten Urlaub bin, werde ich mir wohl noch Zeit nehmen und
die Tage bis dahin, außerhalb von Instagram genießen. Vielleicht lasse ich aber auch ganz die Finger davon. Wer weiß? 🙂

Wie man sieht, zeigt der Social Media Detox durchaus seine Wirkung. Der Beweis, dass wir im Fall der Fälle trotz Social Media-Alltag auch privat ohne können, ist nun erbracht. Wer ist der nächste?

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